Viele Kunstströmungen prägen die Schweizer Kunst

Die Schweizer Kunst, korrekt vielmehr die klassische moderne Schweizer Kunst, wird von vielen Kunstströmungen geprägt. Diese reichen vom Expressionismus bis hin zur Pop art. Doch vor allem die Schweizer Expressionisten spielen in der Entwickung eine sehr wichtige Rolle. In der Historie der Schweizer Kunst haben sie prägende Einflüsse hinterlassen. Besonders eine Gruppe um den deutschen Künstler Ernst Ludwig Kirchner tat sich hier besonders hervor.

Deutscher prägt die Schweizer Kunst

Die Expressionisten in der Schweiz sammelten sich vor allem um einen Künstler aus Deutschland. Der Künstler hiess Ernst Ludwig Kirchner. Ernst Ludwig Kirchner wird am 6.5.1880 in Aschaffenburg geboren. 1886 zieht die Familie um nach Frankfurt am Main, 1887 nach Perlen bei Luzern, schliesslich 1890 nach Chemnitz. Hier besucht Kirchner das Realgymnasium. 1901-1905 studiert er an der Technischen Hochschule in Dresden Architektur. Während dieses Studiums belegt Ernst Ludwig Kirchner 1903 in München ein Semester an der Kunstakademie in München. Im Jahr 1905, nach dem Abschluss des Architekturstudiums, gründet Ernst Ludwig Kirchner mit Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff die Künstlergemeinschaft “Brücke”. 1915 meldet sich Kirchner freiwillig zum Kriegsdienst. Er erleidet einen körperlichen und psychischen Zusammenbruch und kommt erstmals ins Sanatorium nach Königstein. Anfang 1917 ist Ernst Ludwig Kirchner erstmals in Davos. Er reist überstürzt zurück nach Berlin, kehrt dann aber wieder und bezieht im Sommer mit einer Pflegeschwester die Rüeschhütte auf der Stafelalp. Ab September 1918 bewohnt Kirchner in Davos-Frauenkirch ein Haus, das er beginnt, skulptural auszustatten. Er malt eine Reihe von Bildern mit Alpenansichten, fertigt aber auch Möbel und Holzskulpturen. 1920 verfasst Kirchner den ersten Artikel über sein eigenes Werk, den er unter dem Pseudonym Louis de Marsalle veröffentlicht. Trotz der Abgeschiedenheit hält Kirchner regen Kontakt zur Kunstszene in Deutschland. 1923 zieht Ernst Ludwig Kirchner um in das Wildboden-Haus in Davos-Frauenkirch. Mit Veränderung der politischen Lage und den Konsequenzen daraus für das kulturelle Leben in Deutschland, empfindet Kirchner seine Situation in der Schweiz als zunehmend unsicher, befürchtet sogar einen Einmarsch der Deutschen auch in die Schweiz. Am 15.6.1938 begeht Ernst Ludwig Kirchner in Davos Selbstmord.

Weitere wichtige Künstler der Schweizer Kunst

Der Maler und Bildhauer Hermann Scherer aus Süddeutschland und der Künstler Albert Müller aus Basel waren sehr oft bei Kirchner zu Besuch in Davos. Auch sie prägten die Schweizer Kunst entscheidend mit. Vor allem die Bildung der Gruppe Rot-Blau mit Scherer, Müller und dem Künstler Paul Camenisch aus Zürich in den 1920er Jahren trug wesentlich zur Bestimmung der Schweizer Kunst bei. Diese Vereinigung aus Künstlern errang vor allem mit ihren grossen Formaten, kräftigen und kantigen Formen und eine starkfarbige, aber dennoch sinnliche Palette Ansehen. Zusammen mit den späten Werken von Kirchner, der sich in seiner Zeit in und um Davos vor allem der Landschaftsmalerei widmete, prägen diese Künstler die Schweizer Kunst. Sehr wichtig für die Schweizer Kunst war aber auch der Maler Cuno Amiet. Cuno Amiet ist einer der vielseitigsten und bedeutendsten Maler der Schweiz. Als einziger Schweizer Maler wurde er Mitglied der 1906 gegründeten Künstlervereinigung „Die Brücke“. Sein Haus in Oschwand wurde Treffpunkt und Aufenthaltsort für viele befreundete Künstler. Es war eine fruchtbare, künstlerisch ergiebige Zeit, die bis an sein Lebensende 1961 andauerte und die klassische moderne Schweizer Kunst stark prägte.